Die Maßnahmen zeigen Wirkung im Fahrverhalten
Im ersten Teil unseres Pilotprojekts haben wir gezeigt, mit welchen Maßnahmen die Bergstadt Scheibenberg und das Schilderwerk Beutha auf die veränderte Verkehrssituation rund um die Schulen reagiert hat.
Warnfiguren, Bodenmarkierungen und eine digitale Geschwindigkeitsanzeige sollten die Aufmerksamkeit im Schulumfeld erhöhen und Verkehrsteilnehmer für das eigene Fahrverhalten sensibilisieren.
Nach mehreren Wochen im Einsatz liegen nun die Daten der Geschwindigkeits-Warnanzeige vor. Damit lässt sich erstmals genauer betrachten, wie sich die Verkehrssituation nach Umsetzung der Maßnahmen darstellt.
- Wie schnell wurde gefahren?
- Wann traten höhere Geschwindigkeiten auf?
- Veränderten Verkehrsteilnehmer ihr Tempo innerhalb des Messbereichs?
Was 73.552 Messungen zeigen
Über den gesamten Messzeitraum zeigt sich ein moderates Geschwindigkeitsniveau mit einer durchschnittlich gemessenen Geschwindigkeit von 28 km/h.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die höheren Geschwindigkeiten, warum zusätzliche Aufmerksamkeit im Schulumfeld wichtig bleibt. 3.621 Messungen – rund 4,9 Prozent – lagen bei 40 km/h oder darüber. Davon entfielen 3.145 auf den Bereich zwischen 40 und 49 km/h und weitere 476 auf mindestens 50 km/h.
Das Problem ist damit nicht ein grundsätzlich zu hohes Geschwindigkeitsniveau. Entscheidend ist der kleinere Anteil an Verkehrsteilnehmern, der deutlich schneller unterwegs ist als die Mehrheit. Gerade im Bereich von Schulen können diese Unterschiede relevant werden.
Damit bestätigt die Langzeitmessung auch den Ansatz des Pilotprojekts: Statt allein auf zusätzliche Verkehrszeichen zu setzen, sollten die Maßnahmen die vorhandene Verkehrssituation stärker ins Bewusstsein rücken und zu einer angepassten Fahrweise beitragen.
Messvorgänge
durchschnittliche Eingangsgeschwindigkeit
Messungen ab 40 km/h
Mehr als jeder Zweite geht vom Gas
Besonders aufschlussreich ist deshalb nicht allein, mit welcher Geschwindigkeit ein Fahrzeug in den Messbereich einfährt.
Die Geschwindigkeits-Warnanzeige erfasst auch, wie sich das Tempo innerhalb des Messbereichs verändert. So lässt sich erkennen, ob ein Fahrzeug anschließend schneller, gleich schnell oder langsamer unterwegs ist.
Das Ergebnis: Bei 40.992 von 73.552 Messvorgängen lag die Geschwindigkeit am Ende des Messbereichs niedriger als zu Beginn.
Das entspricht 55,7 Prozent – mehr als jeder zweite Verkehrsteilnehmer reduzierte innerhalb des Messbereichs sein Tempo.
Damit wird aus einer ersten Beobachtung eine messbare Erkenntnis: Die unmittelbare Rückmeldung zur eigenen Geschwindigkeit erreicht die Verkehrsteilnehmer genau dort, wo eine angepasste Fahrweise besonders wichtig ist.

Aufmerksamkeit zeigt sich zur richtigen Zeit
Die Maßnahmen in Scheibenberg sollten Verkehrsteilnehmer vor allem dann sensibilisieren, wenn rund um den Schulbereich besondere Aufmerksamkeit gefragt ist. Ein Blick auf die Messdaten liefern dafür einen interessanten Hinweis: Zwischen 6 und 17 Uhr lag die Durchschnittsgeschwindigkeit konstant bei ca. 28 km/h.
Dass dieses niedrige Niveau nicht selbstverständlich ist, zeigt der Blick auf die verkehrsärmeren Stunden. In der Nacht stieg die Durchschnittsgeschwindigkeit auf bis zu 36 km/h.
Je stärker also die typische Schulwegsituation in den Hintergrund tritt, desto höher fällt das gemessene Geschwindigkeitsniveau aus. Das spricht dafür, dass Verkehrsteilnehmer die besondere Situation wahrnehmen und ihr Fahrverhalten entsprechend anpassen.
Die Maßnahmen machen die sensible Verkehrssituation sichtbar – und die Daten zeigen, dass diese Aufmerksamkeit im Fahrverhalten ankommt.
Aus Messdaten werden Erkenntnisse für die Praxis
Die Langzeitauswertung ergänzt damit das Bild aus dem ersten Teil des Pilotprojekts.
Nicht jede Herausforderung im Straßenverkehr lässt sich allein durch zusätzliche Verkehrszeichen lösen. In Scheibenberg ging es deshalb darum, bestehende Regeln stärker ins Bewusstsein zu rücken und die Aufmerksamkeit im entscheidenden Moment zu erhöhen.
Die Geschwindigkeits-Warnanzeige übernimmt dabei eine doppelte Aufgabe: Sie gibt Verkehrsteilnehmern eine unmittelbare Rückmeldung und liefert Kommunen gleichzeitig Daten, mit denen sich die tatsächliche Verkehrssituation besser einschätzen lässt.
Für Scheibenberg zeigt die Auswertung nun: Mehr als jeder Zweite ging innerhalb des Messbereichs vom Gas.
Aus einer kurzfristigen Reaktion auf eine veränderte Verkehrssituation ist damit ein Projekt entstanden, aus dem sich auch langfristig Erkenntnisse für mehr Sicherheit auf dem Schulweg ableiten lassen.


Das Sicherheitskonzept wird weiterentwickelt
Die Erkenntnisse über das bisherige Fahrverhalten liefern auch eine Grundlage für die nächsten Schritte im Pilotprojekt. Denn gerade die Verkehrsteilnehmer, die weiterhin deutlich zu schnell unterwegs sind, sollen künftig noch gezielter angesprochen werden.
Dafür wird das Schulumfeld um weitere sichtbare Elemente ergänzt. Ein Schulbanner vor der Grundschule soll noch deutlicher darauf hinweisen, dass hier Kinder unterwegs sind. Zusätzliche StreetBuddys sollen diesen Hinweis weiter verstärken.


Sie haben den ersten Teil noch nicht gelesen?
Erfahren Sie, wie die Stadt Scheibenberg und das Schilderwerk Beutha gemeinsam ein Maßnahmenkonzept für den Schulweg entwickelt haben.
Häufige Fragen
Hat die Geschwindigkeitsanzeige das Fahrverhalten beeinflusst?
Die Messdaten zeigen eine deutliche Veränderung innerhalb des Messbereichs: Bei 55,7 % der erfassten Fahrzeuge lag die Geschwindigkeit am Ende des Messbereichs niedriger als zu Beginn. Die Daten zeigen damit, dass mehr als jeder Zweite innerhalb des Messbereichs vom Gas ging.
Warum sind Geschwindigkeitsanzeigen im Schulumfeld sinnvoll?
Sie machen die eigene Geschwindigkeit unmittelbar sichtbar und können Verkehrsteilnehmer für die besondere Situation sensibilisieren. Gleichzeitig liefern die erfassten Verkehrsdaten Kommunen eine Grundlage, um die Situation über einen längeren Zeitraum zu beurteilen.
Welche Erkenntnisse liefern Geschwindigkeitsdaten für Kommunen?
Neben dem allgemeinen Geschwindigkeitsniveau können die Daten zeigen, zu welchen Tageszeiten höhere Geschwindigkeiten auftreten und wie sich das Fahrverhalten innerhalb des Messbereichs verändert. In Scheibenberg zeigt sich beispielsweise, dass die durchschnittlichen Geschwindigkeiten je nach Tageszeit unterschiedlich ausfallen.




